Steckerlfisch gegen Herzinfarkt

Ernährung bei koronaren Herzerkrankungen (KHK)

In einer Analyse wurde die Beziehung zwischen einer fischreichen Diät und der
20-Jahre Mortalität an KHK analysiert. Bei den Männern, die mindestens 30 g
Fisch/Tag konsumierten, war die Mortalität an KHK in multivariaten Analysen
um mehr als 50% niedriger als bei denjenigen, die keinen Fisch aßen. Als Hypothese
für diesen positiven Effekt einer fischreichen Kost wurde hauptsächlich der Einfluss
der in verschiedenen Fischsorten (vor allem in Makrele und Lachs) reichlich
vorhandenen Omega-3-Fettsäuren auf den Thromboxan- und
Prostaglandinstoffwechsel diskutiert. Eine unlängst erschienene Übersicht (45) legt
nahe, dass die Zusammenhänge noch komplexer sind als bisher angenommen.

Quelle:  Dr. W. Koenig, Medizinische Universitätsklinik,  D-7900 Ulm

 

Fettstoffwechselstörung - Fischöle als alternative Therapie?

Omega-3-Fettsäuren/Hypertriglyzeridämie/Wirkprinzip

Das Interesse an Fischölen, die in großer Menge Omega-3-Fettsäuren enthalten,
wurde durch Untersuchungen über die Lebensgewohnheiten und Todesursachen bei
den Grönlandeskimos geweckt. Insbesondere fiel die niedrige Inzidenz einer
koronaren Herzkrankheit sowie von Krebsleiden auf.

Omega -3-Fettsäuren bei Hypertriglyzeridämie IV/V

Selbst bei Hyperlipoproteinmämie vom Typ V wurde bei einem hohen Anteil von
Omega-3-Fettsäuren in der Diät triglyzeridsenkende Wirkung gesehen. So fiel der
Triglyzeridwert von 1353 mg/dl auf 218 mg/dl unter der Omega-3-fettsäurereichen
Diät ab. Der Cholesterinspiegel sank gleichzeitig von 373 mg/dl auf 209 mg/dl ab.

Zusammenfassung:

Klinische und laborchemische Untersuchungen konnten zeigen, dass Omega-3
-Fettsäuren den Triglyzeridstoffwechsel entscheidend beeinflussen können.

Quelle: Dr. med.F.U.Beil, Universitätskrankenhaus Eppendorf,
D-2000 Hamburg

 

Praktische Erfahrung in der Diättherapie mit
fischfettreicher Kost

Sivia Haupt, Zentralkrankenhaus Reinkenheide, Bremerhafen
Indikationen / Eicosapentaensäuregehalt verschiedener Fischarten / Grundlagen
der Diät

Die Zahl der Patienten, die an Herzerkrankungen leiden, nimmt stetig zu. Ohne
Zweifel gehört die Erhöhung der Blutfettwerte zu den Risikofaktoren.
  Medikamente zur Behandlung solcher Erkrankungen gibt es viele auf dem Markt.
In unserer Klink bekommen Patienten, deren Blutfettwerte erhöht sind, eine
Koronar-Diät mit 100 g Makrele täglich- und die Werte normalisierten sich.

Schon Ende der 50er Jahre erkannte man, dass sich das Gesamtcholesterin des
Blutes durch Gabe von Fischfetten senken ließ. Zu dieser Zeit wusste man schon,
dass Herzinfarkt und Schlaganfall bei Japanern und Eskimos selten sind. Man sah
die hochungesättigten Fettsäuren der Fischfette als skleroseverhütend an. Die
Empfehlung lautete:"Täglich eine Fischmahlzeit"
  Unter den hochungesättigten Fettsäuren im Seefischöl ist die Eicosapentaensäure
am stärksten vertreten. Ihr Einfluss auf die Verklumpung der Blutplättchen wurde
1978/79 von dänischen Ärzten untersucht. Bereits 1980 auf dem internationalen
Symposium "Nahrung aus dem Meer" in Bremerhaven wurde über die vorliegenden
Untersuchungsergebnisse berichtet (7.8.10). Demnach sind die Indikationen für eine
Diät mit Eicosapentaensäure weit gestreckt.

 

Indikationen für eine Diät mit Eicosapentaensäure:

koronare Herzkrankheit
Herzinfarkt

Hypertonie
Hyperlipoproteinämie Typ II, III und IV
Zerebrale Durchblutungsstörung

nach SINCLAIP:
rheumatische Arthritis

Multiple Sklerose

nach WEBER(1985)
Nierenerkrankungen

Allergosen
chronische und entzündliche Haut- und Darmerkrankungen

1985 wurde von KROMHOUT eine Arbeit veröffentlicht, die ergab, dass Fisch auch
in einer so geringen Menge wie 30 g täglich in der Nahrung eine Minderung des
koronaren Risikos um 50% bewirkt.
  In unserer Klinik erhalten seit 1980 täglich 10 bis 30 Patienten 100g Makrele in
verschiedenen Zubereitungsformen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich
durch diese Diättherapie die gesamten Blutfettwerte beeinflussen lassen.


Warum wir gerade Makrele verwenden, soll folgende Aufstellung verdeutlichen.
Eicosapentaensäuregehalt verschiedener Fischarten (KIFER u. MILLER 1969)

                                                  Gesamtfett
                                              g/100 g Fisch           C20:5W3

Lachs                                                13,2                     1,00
Sardellen                                            6,4                      0,69
Makrelen                                            9,8                      0,65
Hering                                                6,2                      0,33
Heilbutt                                              2,0                      0,11

Grundsätze der Koronardiät:

Bei übergewichtigen Patienten empfiehlt sich zunächst eine Reduktion des
Körpergewichts, die eine signifikante Senkung von Cholesterin und Triglyceriden
im Serum zur Folge hat. Patienten mit Normalgewicht werden bedarfsgerecht
ernährt.
  Zucker, Zuckerwaren und Konditorwaren sind in der Regel kalorienreich, haben
aber keinen Sättigungswert, sie finden in der Koronar-Diät keine Verwendung.
  Vollkornprodukte haben durch ihren Ballaststoffgehalt bekanntlich einen sehr viel
höheren Sättigungswert als Weißmehlprodukte, daher setzen wir verschiedene
Vollkornbrotsorten ein.
  Der Fettanteil dieser Kost ist mit 74 g bei 1800 kcal (38%) nicht gering, aber über
die Hälfte wird in Form von polyensäurereicher Margarine bzw. Öl gegeben. Dies
ist erforderlich, da der Erfolg dieser Diät nur gewährleistet ist, wenn das Verhältnis
von Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure: C20:5W3) zu Omega-6-Fettsäuren
(Linolsäure: C18:2W6) stimmt.

   Daraus wird deutlich, dass wir nur fettarme tierische Lebensmittel auswählen, also
ist für große Fleisch-, Wurst- und Käseportionen kein Platz. Auch Eier, Innereien
und andere cholesterinreiche Lebensmittel gehören nicht in diese fettmodifizierte
Diät. Den Kochsalzverbrauch versuchen wir einzuschränken, indem wir besonders
salzhaltige Lebensmittel (z.B. roher Schinken, Sauerkraut) nicht verwenden und bei
der Zubereitung nur wenig zusalzen. Gerade Herzpatienten reagieren sehr
empfindlich auf Blähungen, wir verzichten deshalb auf jegliche blähenden
Gemüsesorten.
  Bei allen diesen Einschränkungen ist es nicht immer einfach, den Speiseplan
aufzustellen, aber es gibt doch etliche Patienten, die ehrlich sagen:
"Abwechslungsreicher kann ich zu Hause auch nicht kochen:"
 Wenn wir zusammenfassend die einzelnen Grundsätze der Koronar-Diät betrachten,
stellen wir fest, dass viele Punkte mit den neuen "Empfehlungen für die
Nährstoffzufuhr" der DGE übereinstimmen.

 
Schlussfolgerung:

Dass diese Ernährungstherapie Erfolg hat, wissen wir, aber niemand kann bisher
die Frage beantworten, ob die Menge von 100 g Makrele täglich ausreichend ist
oder ob sich eine wirksame Senkung der Blutfettwerte mit einer anderen Dosis
erreichen lässt. Dies ist gewiss: Die Diättherapie ist unschädlich und kann
bedenkenlos auf Dauer eingehalten werden.
  Bei Medikamenten ist dies in der Regel nicht der Fall, hier sind Nebenwirkungen
oft nicht auszuschließen. Sieht man einmal auf die Kosten, so stellt man fest, dass
die medikamentöse Behandlung teurer ist als täglich 100 g Makrele anzubieten
  Immer wieder werden Versuche unternommen, das Fischfett zu isolieren, um es
dann z.B. als Tablette zu verabreichen. Die Amerikaner warnen schon heute davor,
denn man kennt die Wirkung des isolierten und somit konzentrierten Fischfettes
noch nicht. Es ist ein Unterschied, ob man die Eicosapentaensäure in konzentrierter
Form aufnimmt oder ob man sie als Bestandteil des Fisches isst. Das Problem bei
der Behandlung mit Eicosapentaensäure in Tablettenform ist, dass die Patienten
zwar ihre Tabletten einnehmen, aber eventuell die Ernährung nicht umstellen. Man
kommt also immer wieder dahin, dass die Ernährungsumstellung das A und O der
Therapie ist. Somit liegt die Verantwortung für den Erfolg der Diättherapie beim
Patienten selbst.

Quelle: S. Haupt, Diätküchenleiterin, Zentralkrankenhaus Reinkenheide,
D-2850 Bremerhaven

 
Richtige Behandlung von Lebensmitteln

Beim Auftauen von tiefgefrorenen Speisen sollte darauf geachtet werden, dass die
ideale Vermehrungstemperatur für Mikroorganismen von 30-40o C in möglichst
kurzer Zeit durchlaufen wird. Günstig ist daher rasches Auftauen in Heißluftöfen
oder langsames Auftauen im Kühlschrank bei 4o C. Keinesfalls sollte man bei
Zimmertemperatur oder unter fließendem Wasser auftauen.

Quelle: Dr. Manfred Lindorfer, Arzt für Arbeitsmedizin